Q Akribie: Arbeitsschwerpunkte - Arbeitskreis kritischer BibliothekarInnen

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Arbeitsschwerpunkt


Bestandserhaltung

  • Bestandserhaltung in der UB München
  • Bücher als Altpapier entsorgt?
  • Wie kann Bestand für die Zukunft erhalten werden?
  • Bibliotheken und Kanarienvögel
  • Bestand in Gefahr
  • Bibliothekssterben
  • Literatur
  • In regelmäßigen Abständen stellt sich für Bibliotheken und Sammlungen die Frage, was aufbewahrt werden soll und wie es dem Publikum zugänglich gemacht wird. Gerade in Zeiten, in denen die Mittel knapp werden, landet das kulturelle Gut allzuschnell im Abseits, da es niemanden gibt, der für den Erhalt zahlen möchte. Damit ist es aber für sowohl heute als auch für die zukünftigen Generationen unwiderbringlich verloren ...


    Info zur Bestandserhaltung in der UB München

    Für die Altbestandsrestaurierung wurde im Spätsommer 2005 eine Kooperation mit einer in München ansässigen Werkstatt vereinbart. Hierbei war der Grundsatz entscheidend, die physischen Erhaltung des Originals sei gegenüber der Herstellung einer Sekundärform zu bervorzugen. Damit folgte man dem persönlichen, kritischen Rat einiger nordamerikanischer Kollegen, die - aufgrund negativer Erfahrungen in den letzten Jahren - hinsichtlich der langfristigen Haltbarkeit insbesondere digitaler Sekundärformen, aber auch der üblichen Mikroformen ausgesprochen skeptisch urteilten.
    In letzter Konsequenz wurde die über Jahre betriebene Mikroformenproduktion nahezu vollständig zurückgefahren, und Digitalisierung ist nur für spezielle Fälle, wie z. B. erheblich beschädigte Vorlesungsverzeichnisse, vorgesehen.

    Dazu ausführlich der Bericht von Sven Kuttner: Von Einbänden und Einwänden. Außenvergabe der Hausbuchbinderei und Einbandstelle an der UB München. In: Bibliotheksdienst 42, 2008, H. 1, S. 37-46, besonders S. 41.


    Bestand erhalten?

    "638 Jahre alt ist das älteste Buch der Nationalbibliothek in Wien. Berührt werden darf es nur mit feinen Handschuhen, aber lesen lässt es sich noch einwandfrei ... Bis heute gibt es jedenfalls keine Disk und kein Band, für das ein Hersteller seine Hand ein paar Jahrzehnte ins Feuer legen würde. Sichern und kopieren, heißt also die Devise, und alle paar Jahre: transformieren ... Dem Zeitalter der EDV drohen die Erinnerungen auszugehen" (Die Presse, Wien, 17.5.2006)

    Presse:
    André Spiegel: Jetzt erst recht! Über die uneinholbaren Vorteile des Buches. In: Die Presse, Wien, 29.7.2006 (Beilage "Spectrum", S I f.)

    Texterhaltung und Quellenvernichtung:
    Nicholson Baker: "Der Eckenknick oder wie die Bibliotheken sich an den Büchern versündigen". Rowohlt, 2005. 496 S. Siehe dazu auch Akribie-Veranstaltung 2002.
    Eine ausführliche Besprechung aus dem Deuschlandfunk von Jörg Magenau.
    Weitere Besprechungen: NZZ (18.2.2006 und 13.4.2006); BuB 2006, Heft 4; Süddeutsche Zeitung (16.2.2006); Der Standard (29.10.2006); ZfBB 2003, Heft 6; Buchhandelsgeschichte 2/2002; AKMB-News 2/2002.

    Nicholson-Baker-Fan-Homepage zu seinem Buch mit (englischen) Lesebeispielen und Besprechungen.
    Oldpaper? Das American Newspaper Repository wurde 1999 von dem Autor gegründet.

    Literaturliste
    Gedanken zur Quellenvernichtung

    Die Bibliotheken als Kanarienvögel des Kapitalismus

    Siv Wold-Karlsen hat "Barbarian at the Gates of the Public Library, über die Bedrohung der Bibliotheken" von Ed D'Angelo gelesen und berichtet über die unterschiedlichen Auffassungen eines Sozialisten und eines Marxisten in der darauf folgenden Debatte.

    "D'Angelo vergleicht die Bibliothek mit dem Kanarienvogel, den einst die Bergarbeiter mit sich unter Tage in den Bergbau nahmen. Da der Vogel sehr empfindlich war, starb er an eventuellen giftigen Grubengasen lange bevor die Bergleute etwas von ihnen merkten, er funktionierte daher wie ein Warnsystem. In gleicher Weise sei die Bibliothek als erste vom Klima des Infotainments betroffen, das entsteht, wenn der Konsumkapitalismus Wissen und demokratische Werte durch Information und Unterhaltung ersetze."

    Den gesamten Text als PDF: Die Bibliotheken als Kanarienvögel des Kapitalismus


    100 00 Bücher als Altpapier entsorgt?

    Auf Veranlassung des Eichstätter Kuriers wurde ermittelt, dass in der Universitätsbibliothek der Katholischen Universität Eichstätt- Ingolstadt in der Zeit von Juni 2005 bis Oktober 2006 insgesamt 80 Tonnen Bücher in die Altpapierverwertung gekommen und damit vernichtet worden sind. Die Bücher gehörten zu der so genannten Kapuzinerbibliothek, die Eigentum des Freistaates Bayern ist. Ein Teil der Bücher wurde angeblich ohne fachmännische Prüfung auf seine bibliothekarische Bedeutung, seinen materiellen Wert als Kulturgut entsorgt. Der Bibliotheksdirektorin wurde die Aufarbeitung der Bestände dieser Bibliothek inzwischen verboten.
    Quelle: Eichstätter Kurier http://www.donaukurier.de/news/eichstaett/art575,1608318.html

    - "Das nächste Kloster schließt bestimmt. - Vor einem Jahr machte die Büchervernichtung an der Universität Eichstätt Schlagzeilen. Jetzt liegt ein Abschlussbericht vor, der Entwarnung gibt. Aber ausgestanden ist der Fall längst nicht." In FAZ 21.2.2008
    - "Eichstätt: Angebliche Vernichtung von Beständen der Zentralbibliothek der Kapuziner durch die Bibliothek der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt untersucht" in Bibliotheksdienst 2008, Heft 2, S. 213


    Eine ungewisse Zukunft

    Bestände in Gefahr
    Da die Mittel immer knapper werden, sind gerade bei Spezialbibliotheken und Sammlungen Betroffen. Werden diese geschlossen, gibt es kaum eine Lobby und der Protest hält sich in Grenzen ...

    Buch- und Medienfernleihe für Gefangene, Dortmund
    Nach dem Umzug in neue Räumlichkeiten müssen die Mittel für Miete (neben denen für die Medien) komplett selber aufgebracht werden. Wie lange die Bibliothek auf diese Weise fortbestehen kann, ist ungewiss.

    "Bibliothek der DDR-Literatur" in der Kulturinsel Halle in Gefahr
    Kompletter Brief an die Oberbürgermeisterin

    Eutiner Forschungsstelle zur historischen Reisekultur
    Nachdem Wolfgang Griep zum 31.7.2006 die Service- und Beratunsstelle verlassen hat, ist die Zukunft dieser Spezialsammlung unklar.

    Bibliothekssterben und Privatisierung

    "Sie verstehen, dass die Idee, Bibliotheken zu schließen, der Gipfelpunkt von Kulturvergessenheit ist. Es ist die Zerstörung von Zukunft, es ist damit eine Selbstzerstörung. Es ist auch die Zerstörung einer wunderbaren, alternativen Denk- und Erfahrungsart, die auf einem kleinen, aber ganz wichtigen Unterschied zum alltäglichen kapitalistischen Kaufen und Verkaufen beruht: Alles, was man in einer Bibliothek bekommt, ist nur geliehen. Man hat die Verpflichtung, damit gut umzugehen, es zurückzugeben, damit andere es wieder lesen können." ..."So ist jeder Besuch, ist jede Entleihe eine Einübung in die Verpflichtung der Kultur." (von Thomas Böhm, Literaturhaus Köln, 4.11.2004)

    Michael Reisser - BIB/BUB teilt mit, dass es höchste Zeit ist, die Schließungen im Bibliotheksbereich möglichst umfassend zu dokumentieren und ruft dazu auf, alle alten und neuen Fälle von Einschränkungen und Schließungen zu melden: das Portal www.bibliothekssterben.de zur Erfassung gefährdeter oder bereits geschlossener Bibliotheken und Informationseinrichtungen in Deutschland.

    "Die Bücherhalle am Grindel muss gerettet werden" (In Hamburger Abendblatt, 26.7.2003) - ohne Erfolg. Nun ist 2008 der ersatzlose Wegzug der Wegzug der Kinderbibliothek am Grindel geplant. Eine Elterninitiative wehrt sich: www.kibi-muss-bleiben.de

    Ein positives Beispiel für die Gegenwehr von Bürgern gegen weitere Bibliotheksschließungen ist die Initiative
    Bücher & mehr, der Förderverein für die Münchener Stadtbibliothek; oder die Saseler Besetzung der Bücherhalle.

    Mal ein gute Nachricht:
    - "Sie möge hundertfünfzig Jahre alt werden! Wie die Deutsche Bibliothek Helsinki unter Beschuss kam" und gerettet wurde. In FAZ, Nov. 2007
    - In Ansbach wird weiterhin auf eine Jahresgebühr verzichtet. Das "Lesen von Büchern aus der Stadtbücherein soll ... ein kostenloses Vergnügen bleiben." (Inetbib eMail 10.11.2006)

    Privatisierung von Zentralen Bibliotheksdiensten:
    -BTJ in Schweden wurde mehrmals verkauft, umorganisiert und zersplittert.
    - Privatisierung der EKZ: "Jörg Meyer neuer EKZ-Mehrzeitseigentümer" in General-Anzeiger Reutlingen, 6.12.2007


    Literatur

    - "OSI-Bibliothek bedroht? Bei einem Umzug sollen Dubletten wegfallen". In Tagesspielgel 12.12.2007
    - "NL: Kreativer Plan zur Kulturgutverichtung". Vernichtung von Beständen bei der Digitalisierung. In http://archiv.twoday.net/stories/4477648/
    - "Die Handschriften der Badischen Landesbibliothek: Bedrohtes Kulturerbe?" Hrsg. v. P. Ehrle und U. Obhof. Gernsbach: C. Katz 2007. 160 S. - "Methoden der Bestandserhaltung in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin am Beispiel des Umgangs mit Pflichtexemplaren" von A. Brockmann. Berlin: ZLB 2007. 120 S.
    - "Das 'große Löschfest' oder Bestandserhaltung als kulturelle Aufgabe. Vortrag zur Eröffnung des Kongresses 'Schriftliches Kulturerbe erhalten - eine nationale Aufgabe im europäischen Rahmen'" von W. Frühwald.
    In: ZfBB 53, 2006, H. 5, S. 277-283.